Haṃsa Freie Schule für Hatha Yoga

die schule

Yoga

ENIFÜHRUNG

Yoga bringt Körper, Geist, Seele und Atem in Einklang.

Es gibt nur einen Yoga. Innerhalb dieses einen Yoga gibt es viele Praktiken, die allesamt darauf abzielen, das oben genannte Streben nach Einheit zu verwirklichen. Wie Mutter Natur das Potential ihrer Lebenskraft durch das Erschaffen einer unendlichen Artenvielfalt zum Ausdruck bringt, drückt sich der Yoga durch eine Vielzahl alter und neuer Traditionen aus. Traditionen, bei denen jede einzelne die Synthese wieder anderer Traditionen ist, bei denen jeder Lehrer oder Praktizierende etwas hinzufügt, wegnimmt, etwas verändert. Die Einzigartigkeit des Geistes drückt sich in der raum-zeitlichen Relativität als unfassbare Vielfalt aus, welche sowohl Zeichen als auch Beweis einer sicheren Vitalität ist.

Zu denken, man könne Yoga aus Büchern lernen, ist ungefähr so wahnwitzig wie die Vorstellung, man könne den Ozean begreifen, indem man auf seine Oberfläche starrt: Schön, nützlich und interessant – aber mit Sicherheit nicht vollständig. Der Großteil bleibt in der geheimnisvollen und unergründlichen Tiefe verborgen, zugänglich nur denen, die bereit sind tief zu tauchen. Und selbst dann, je nachdem wohin man taucht, wie tief man taucht und mit welchem Auge man sieht, wird man andere Wahrheiten, individuelle und unvergleichbare Gewissheiten finden.

Diese Vielfalt ist ein wichtiges Merkmal der yogischen, wie auch jeder weiteren seelischen Erfahrung. Eine Erfahrung, welche sich zu einer Art von Bewusstseins formt, zu einer nicht unbedingt greifbaren, aber dennoch unendlich kraftvollen Größe. Das Bewusstsein lebt und existiert jenseits von räumlichen oder zeitlichen Begrenzungen, frei von den Einschränkungen, welche uns in der Realität des Alltags begegnen. Diese Realität in der wir uns befinden kann wiederum durch vermehrte Achtsamkeit oder durch bewusstes Handeln herbeigeführt, fruchtbarer, besser und authentischer gemacht werden. Eine jede Yogini, ein jeder Yogi strebt danach, die durch das Ego auferlegten Einschränkungen der Wahrnehmung zu überwinden, um Eins zu werden mit dem Ganzen, Harmonie zu finden und die eigene göttliche Natur zu erwecken, karmische Grenzen zu überwinden und Frieden, Schönheit und Liebe zu finden.


DAS PUBLIKUM DES YOGA

Beginnend im frühen zwanzigsten Jahrhundert und vor allem ab den 1960er Jahren haben die Philosophie, Techniken, Terminologie, Werte und Bestrebungen des Yoga eine immer größere Verbreitung gefunden und für immer mehr Menschen an kulturellem, sozialem, ethischem und sogar kommerziellem Wert gewonnen.

Yoga ist zu einem Massenphänomen geworden. Diese Feststellung beruht nicht nur auf der Anzahl der Praktizierenden, sondern auch auf den neuen Erwartungen an die Yogapraxis. Während diese Erwartungen vor drei, vier Jahrzehnten auf die spirituelle Verwirklichung und die Öffnung neuer Bewusstseinszustände ausgerichtet waren, drehen sie sich nun häufiger um das körperliche und psychische Wohlbefinden. Aus diesen Bedürfnissen heraus wächst und vervollkommnet sich dann das Streben nach spiritueller Verwirklichung.

Ärzte und Psychologen sind nicht immer in der Lage, die durch unsere Umgebung und Lebensumstände verursachten physischen Pathologien und psychologischen Dissonanzen zu lösen. Deswegen verweisen sie immer häufiger auf den Weg der Yogapraxis, dessen Nutzen inzwischen auch wissenschaftlich anerkannt wird. Das ist mit Sicherheit eine positive Entwicklung, muss uns Lernenden aber zugleich vor Augen führen dass die, die sich der Praxis nähern, oftmals mit einem „zu lösenden Problem“ konfrontiert sind; mit einer Fragilität, die unbedingt berücksichtigt werden muss, um zu vermeiden, dass anstelle von Lösungen ein größeres Problem durch die Yogapraxis entsteht.

YOGA ALS THERAPIE DES WOHLBEFINDENS

Die therapeutischen Eigenschaften des Yoga sind eine direkte Folge einer angeborenen Kraft, die in jedem von uns vorhanden ist, der Kraft der Selbstheilung. Die therapeutische Wirkung, die die entsprechenden Yoga-Techniken auf die Gesundheit haben, funktioniert auf verschiedenen Ebenen:

  • Lösen der Barrieren, welche die Selbstheilungskräfte behindern.
    Dieser Aspekt betrifft insbesondere die Entwicklung der Fähigkeit zur Entspannung und Regulierung der Atmung, die Korrektur der Körperhaltung, die Mobilisierung der Gelenke, die Reduzierung veränderter psychischer Zustände. Das Einhalten von Ernährungs-, Hygiene-, Moral- und Verhaltensregeln ist dabei von großer Bedeutung.
  • Erhöhung der Wahrnehmungsfähigkeit, die auch als Selbstbeobachtung oder Fähigkeit zum Zuhören definiert werden kann. Die verschiedenen Yoga-Praktiken verfeinern die Fähigkeiten des nach innen gerichteten Sinnes, auch drittes oder mentales Auge genannt, und verlagern das Bewusstsein allmählich von der rein physischen und oberflächlichen auf die subtilere, energetische Ebene. Diese Ebene reagiert sofort auf Dissonanzen, so klein sie auch sein mögen und woher sie auch kommen, so dass wir in der Lage sind, die Symptome von Beschwerden wahrzunehmen, noch bevor sie zu Veränderungen auf körperlicher Ebene oder zu Verzerrungen der geistigen Aktivität führen können.
  • Es steht uns mehr Energie zur Verfügung und wir haben schnellen Zugang zu ihr.
    Wir verfügen über mehr Ressourcen, die es uns ermöglichen, verschiedene Bedürfnisse zu befriedigen und gesund zu bleiben: Wir alle wissen, dass Krankheiten, unabhängig von ihrer Art und Ursache, die Fähigkeit haben, in uns zu keimen, wenn wir uns in einem Zustand der Schwäche oder Schwächung befinden. Noch wichtiger ist, dass wir lernen, wie wir die durch Yoga erworbenen zusätzliche Energie nutzen können, d.h. sie dorthin lenken, wo sie am meisten gebraucht wird. Dies geschieht indirekt. Zum Beispiel macht uns eine größere Wahrnehmungsfähigkeit bewusst, dass wir eine Pause, bestimmte Nahrung, Schutz vor Kälte, eine schnelle Konfliktlösung oder etwas anderem brauchen. Wir nehmen sofort ein korrigierendes Verhalten an, wenn sich die Dissonanz zu manifestieren beginnt und bevor sie zu einem wirklichen Problem werden kann. Das macht es viel einfacher, mit geringem Energieaufwand gesund zu bleiben und vermeidet die Abnutzung physischer Strukturen und psychischer Potenziale. Größere Wahrnehmungsfähigkeit und fortschreitende Erfahrung erlauben es uns auch durch spezifische, intuitiv identifizierte Techniken, willentlich unsere Energie zu steuern. Dies erfordert etwas Übung, ist aber grundsätzlich für jeden erreichbar.

Daraus folgt: Yoga ist in erster Linie Prävention: Yoga hilft uns, gesund zu bleiben. Das ist besonders wirksam bei all denjenigen Erkrankungen, die zwar von gewissem Ausmaß, aber noch keine tiefen Schäden an Organen oder Beeinträchtigungen der Vitalfunktionen aufweisen. Die Yogapraxis wirkt gezielt auf die Regulationssysteme des Organismus, des Nervensystems und des Hormonsystems und liefert daher hervorragende Ergebnisse bei der Behandlung psychosomatischer Störungen.

Folgende Vorteile ergeben sich aus der Yogapraxis:

  • Yoga erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen jede Art von körperlichem, geistigem und emotionalem Stress.
  • Yoga macht uns leicht, wendig, flexibel und stark.
  • Yoga verbessert die Haltung, der Gang wird elegant und locker, die Gelenke bleiben beweglich und tonisch, Muskeln und Bänder bleiben elastisch und stark. Die Wirbelsäule, das Rückgrat des Körpers, profitiert auf bemerkenswerte Weise: Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nehmen ab oder verschwinden, insbesondere werden chronische Schmerzen im Nacken und Rücken reduziert.
  • Yoga stimuliert und verbessert die Funktionen aller lebenswichtigen Organe: Neben dem Nerven- und Hormonsystem ist Yoga besonders vorteilhaft für das Verdauungs-, Ausscheidungs-, Genital-, Immun- und Atmungssystem.
  • Das Zwerchfell wird vollständig mobilisiert. Die glatte, weiche und fließende Bewegung dieses elementaren Muskels, der als zweites Herz beschrieben wird, fördert die Rückführung und entlastet das Herz, massiert sanft die Bauchorgane von innen heraus, optimiert ihre Funktionen und hilft, sie zu versorgen und zu reinigen.
    Das richtige Verhältnis zwischen Ein- und Ausatmen und die Tiefe, Vollständigkeit und Fluidität der Atmung führt zu einem deutlich spürbaren Gleichgewichts zwischen Hormon- und Nervensystem.
    Die Atmungsorgane werden schnell von potenziell feindlichen oder umweltschädlichen Stoffen befreit und die Lungenkapazität steigt.
  • Yoga senkt den Blutzuckerspiegel.
  • Yoga hilft, den Blutdruck normal zu halten oder ihn bei Veränderungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
  • Yoga verbessert die Sexualfunktion und optimiert das Gewicht.
  • Yoga verbessert die Gehirnfunktionen; erhöht die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sowie deren Aufrechterhaltung. Yoga fördert die Klarheit des Denkens und die Gelassenheit des Geistes.
  • Yoga intensiviert die Aufnahme von Prana oder Lebensenergie.
  • Yoga verbessert die psychosomatische Integration und die Dialogfähigkeit zwischen Geist und Körper; Angstzustände und depressive Tendenzen nehmen ab, während das emotionale Bewusstsein steigt.
  • Die Reinigung des Körpers, die Ruhe des Geistes sowie hohe und qualitativ hochwertigen Energiereserven ermöglichen eine effektiveres Funktionieren des Immunsystems.

YOGA IN DER MODERNEN WELT / ZEITGENÖSSISCHES YOGA

Die Veränderungen in der Herangehensweise an die Yogapraxis und der große Erfolg dieser anwendbaren Philosophie lohnen einer näheren Betrachtung.

Zunächst das Bewusstsein des Kern des Yoga, welcher sich nicht, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, verändert hat: Die Schritte und Prioritäten haben sich verändert, eine Transformation, notwendig, um diese Disziplin der heutigen Gesellschaft angemessen zu machen, den Problemen des Einzelnen in Bezug auf den kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext unserer Zeit. Die Suche nach Gesundheit ist ein richtiger Weg, um sich der spirituellen Dimension zu nähern, und ich möchte mich an die Worte des großen Guru Swami Sivananda hier erinnern: Ohne Gesundheit kann nichts getan werden, Gesundheit ist das Erste, das Wichtigste“.

Yoga zu praktizieren, um die Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen, macht unsere Handlungen nicht weniger spirituell. Ganz im Gegenteil, ein gesundes und energiegeladenes Individuum, mit einem klaren und ruhigen Geist und mit einem für die Liebe offenen Herzen, befindet sich in einem idealen Zustand, um in Kontakt mit seiner eigenen Spiritualität zu treten, auf welche Weise auch immer es diese Leben und ausdrücken möchte.

Yoga ist Vereinigung und Integration einer Fülle. Spirituelle Verwirklichung ist Vereinigung und Integration dessen, was wir Körper, Psyche, Atem, Energie und Seele nennen. der Ausgangspunkt, ändert die Route, das Ziel bleibt unverändert. Die Menschen unserer Zeit müssen fast immer vom Körper und vom Atem ausgehen, denn in den allermeisten Fällen sind sie geschwächt und aufgeregt, ohne inneres Zentrum und daher instabil, anfällig dafür, von ihren eigenen Phantasien mitgerissen zu werden, von durch die Medien erweiterten und verzerrten Wünschen, von Frustrationen und anderen schwankenden und momentanen Faktoren.
In keiner historischen Ära hatten die Menschen ein größeres Bedürfnis nach Yoga, dem Weg der Erlösung par excellence. Wir müssen uns selbst retten. Konzentrieren wir uns auf dieses Konzept: „Rette dich selbst und werde nicht gerettet“. Wir brauchen einen Weg des Wachstums und der Erweiterung des Bewusstseins, um in der ersten Person gehen zu können, der uns hilft, zum Licht zu gelangen, unser spirituelles Zentrum zu finden, das auch das Gleichgewicht von Körper, Geist und Atem und die Kommunikation mit der eigenen Seele ist.

DIE WICHTIGKEIT EINER ADÄQUATEN PÄDAGOGIK

Die Wissenschaft der Pädagogik setzt sich mit der Bildung und Vermittlung von Wissen und damit mit der Vermittlung von Werten, Traditionen, Methoden, Ideen, psychischen und praktischen Werkzeugen auseinander, die helfen können, glückliche Individuen herauszubilden. Lehrform und Methodik sind untrennbar mit dem Inhalt der Information verbunden, Liebe kann nicht mit Gewalt oder Weisheit durch Zwang gelehrt werden. Aus diesem Grund ist es besonders nützlich und notwendig, in der Yogapraxis eine Lehrmethode zu haben, die die Ausgangsbedingungen jedes Praktizierenden, seine Kultur, seinen Gesundheitszustand, seine Wünsche und Bedürfnisse, seine persönlichen Grenzen und sein Potenzial berücksichtigt. Darüber hinaus muss eine Lehrmethode umfassend sein, alle notwendigen Informationen liefern, jedes Detail hervorheben und jede Wahl motivieren. Im konkreten Fall einer so komplexen und vielgestaltigen Kunst wie dem Yoga muss diese mit noch größerer Entschlossenheit und Präzision konzipiert und gepflegt werden als jedes andere Subjekt.